Darf ich mich vorstellen ?
Ich heiße Tiffy und bin ein Marshall-Beagle (auch Pocket-Beagle genannt)
Marshall-Beagle fragen Sie, was ist das ?
Nun, ich bin in den Marshall-Farms in den USA gezüchtet worden. Dieses Großenternehmen züchtet
jedes Jahr rund 16.000 Beagle um die für Versuche an die Versuchlabors weltweit zu verkaufen. Das
scheint ein sehr lukratives Geschäft zu sein, denn nicht umsonst würde das Unternehmen versuchen
in Frankreich eine weitere Zuchtanlage aufzubauen, damit die Transportkosten zu den Instituten nach
Europa nicht so hoch sind.
Aber genug davon. Mein Leben, zweieinhalb Jahre in einem Versuchslabor in Deutschland, habe ich
schon fast vergessen und ich möchte mich auch nicht so gerne daran erinnern, obwohl es mir in dem
Institut in dem ich für das "Wohl des Menschen" arbeiten musste vergleichsweise gut erging.

Meine Freiheit und mein neues Zuhause im Sauerland habe ich Karin Löhken aus Ennepetal zu verdan-
ken. Mit Ihrer Gruppe "IG-Tiere in Not" holt die Ennepetalerin jedes Jahr unzählige Tiere, hauptsächlich
Beagle wie mich aus den deutschen Versuchlabors und vermittelt sie an Hundefreunde wie zum Beispiel
mein Herrchen.

So kam ich also aus den USA erst nach Hessen, dann nach Ennepetal und schließlich ins Sauerland.
Ein großer Vorteil war, dass mein Herrchen vor mir schon einen Beagle hatte. Franziska war ebenfalls
ein Laborbeagle und ist bei meinem Herrchen fast 17 Jahre alt geworden, obwohl man bei ihr in NRW
Bestrahlungsversuche gemacht hat. Schade - gerne hätte ich Franziska kennen gelernt - aber das war
wie gesagt vor meiner Zeit im Sauerland.

Mein Herrchen wusste, dass es zunächst einmal viel Arbeit mit mir hatte. Ich hatte zwar keine Angst
vor Menschen und Meiner Umwelt, wie das bei vielen Labor-Kollegen von mir der Fall war, doch woher
sollte ich wissen, das ich für meine kleinen und großen Geschäftchen nach draußen auf die Wiese
soll. Im Labor wurde nur einmal am Tag mein Käfig gereinigt. Na ja, mit ein wenig Geduld hat es mein
Herrchen geschafft, dass ich jetzt schnell zur Tür gehe, wenn ich muss. Mein Herrchen hat immer ge-
sagt "Bei Beaglen geht die Erziehung durch den Magen" - ich hab zwar nicht genau verstanden, was
es damit gemeint hat - aber immer wenn ich mein Geschäftchen draußen erledigt habe, gab's ein Lecker-
chen, und wenn mir drin etwas passiert ist, gab's gar nichts. Da gehe ich doch lieber raus.

Na ja, inzwischen habe ich mich sehr gut eingelebt und kann mein Herrchen fast überall hin begleiten.
Autofahren macht mir großen Spaß und mein Herrchen hat sogar ein Flugzeug, mit dem er mich
oft mitnimmt. Deshalb weiß ich auch, welch leckere Sachen es in den Flughafen-Restaurants so
gibt. Weil ich so klein bin, versuche ich oft, mich größer zu machen. Deshalb stehe ich sehr oft auf
meinen Hinterpfoten. Aber auch damit schaffe ich es meistens nicht, mich an einer Imbiß-Bude bemerkbar zu machen. Einen Vorteil hat meine Größe. Ich darf mit meinem Herrchen im großen Air-Berlin Flugzeug mit in der Kabine fliegen. Da gibt es immer leckere Hähnchenschnitzel und ich komme ganz entspannt auf Mallorca an. Mallorca liebe ich genau so wie das Sauerland, wobei mir Sonne und
Wärme lieber sind als Eis und Schnee. Wenn's mir auf Mallorca zu warm wird, leg ich mich einfach unter den Zitronenbaum und wenn's im Sauerland zu kalt ist liege ich vorm Kamin.
Mein Herrchen sagt immer, dass ich viel empfindlicher als meine Vorgängerin bin. Dann denke ich mir, dass ich ja auch nur halb so groß bin.

Wichtig ist mir meine Spielkiste mit allen möglichen Quietschtieren und Bällen. Die teile ich auch
gerne mit vierbeinigen Freunden, wenn diese zu Besuch kommen. Klasse sind auch kleine Menschen-
kinder, wenn sie so groß sind, dass sie mit mir spielen können. So richtig abreagieren kann ich mich
mit meiner Freundin Nele, einer Jack-Roussel-Terrier Hündin. Die ist zwar, was ihre Spielzeug-Besitz-
stände angeht nicht so großzügig wie ich, jedoch liegt bei mir manchmal der Reiz auch im Verbotenen,
insbesondere wenn ich keine Angst vor Nele habe.
Unterschiede ziehen sich an, das besagt ein altes Sprichwort. Und während Nele Körbchen, Taschen,
und Hundesofas über alles liebt, bevorzug ich lieber ein gemütliches Menschen-Leder-Sofa weil ich da
den besseren Überblick behalte.